Merkwürdiger Kauz im Dorf

Das Rätsel um das merkwürdige Rüsseltier in Büllesfeld scheint durch die renommierte Bonner Zoologin Dr. Helga Eichelberg gelöst. Während der Karnevalstage wurde es hier zum ersten Mal gesehen, als es die Straßen (es gibt allerdings nur zwei) Büllesfelds unsicher machte und dabei immer wieder wild „Kamelle“ brüllte. Auch wenn es am Aschermittwoch so plötzlich verschwand wie es zuvor aufgetaucht war, stellten sich die Dorfbewohner doch bange Fragen: Kommt es wieder? Ist es gefährlich? Ernährt es sich tatsächlich nur von Bonbons oder steckt es seinen Rüssel auch schon einmal in andere Dinge? Die ehemalige akademische Direktorin des Zoologischen Instituts der Universität Bonn, Dr. Helga Eichelberg wusste Rat:

Liebe Büllesfelder!

Ihr könnt Euch glücklich schätzen, denn was Euch da widerfuhr, ist der Traum aller heutigen Zoologen und zwar international! Nach Bild und Beschreibung bin ich nämlich sicher, dass es sich um ein Rhinolongus communis gehandelt hat, ein Tier, das akut vom Aussterben bedroht ist. In den letzten Jahrzehnten wurde es nur noch sporadisch in der 5. Jahreszeit gesichtet. Es ist mehr nacht- als tagaktiv, ein Allesfresser und nicht, wie man denken könnte, ein Makrosmat, sondern ganz im Gegenteil, ein „Augentier“.  Dies ergaben Experimente aus den 40er Jahren, die allerdings erst nach Kriegsende veröffentlicht wurden. Bot man diesem Tier z.B. geruchslose Bilder von Hitler an, dann nahm es laut schreiend reisaus, wohingegen es sich Bildern von Marika Rökk winselnd und mit verstärktem Speichelfluss näherte (allerdings nur die Männchen, die Weibchen zeigten eher aggressives Verhalten). Für die besonders gut ausgeprägte Sehfähigkeit sprechen auch die großen gelblichen, fast gläsern wirkenden Augen, die einen enormen Lichteinfall garantieren.

Aber wozu, fragen sich die Zoologen, dann die verlängerte Nase, wenn nicht zum Riechen? Freilandbeobachtungen aus den 50er Jahren belegen, dass dieses Organ offenbar gar nichts mit dem Riechen zutun hat, sondern eher mit Fortpflanzungserfolg und Brutpflege. Die Langnase ist nämlich ein typisches sekundäres Geschlechtsmerkmal, d.h. sie kommt nur bei einem der beiden Geschlechter vor, nämlich bei den Männchen. Das Exemplar, das Ihr gesichtet habt, war also offenbar ein Männchen. Die Weibchen geben nun eindeutig den Männchen mit den längsten Nasen den Paarungsvorzug (female choice, sehr verbreitet im Tierreich und einer der Motoren der Evolution). Somit wurden die Nasen von Generation zu Generation immer länger. Und das wiederum war biologisch sinnvoll und ein eindeutiger Selektionsvorteil, denn bei Rhinolongus communis betreiben nur die Männchen Brutpflege. Und hier erweist sich die lange Nase als eindeutiger Vorteil, denn bei Gefahr werden die Jungen (übrigens typische Nesthocker) in die Nase aufgezogen. Je länger nun die Nase, umso mehr Nachkommen finden Unterschlupf. Ihr merkt schon, der Rhinolongus communis ist eine ausgesprochene zoologische Sensation und ein evolutives Rätsel, denn er vereint Merkmale der Primaten (aufrechter Gang), der Elefanten (verlängerte Nase) und der Beuteltiere (Art der Brutpflege) in sich!

Warum nun, wird unter Zoologen sehr kontrovers diskutiert, sind diese Tiere trotz des hervorragenden Schutzmechanismus vom Aussterben bedroht? Wahrscheinlich hängt es mit der Weigerung der Weibchen zusammen, Milch zu produzieren (es handelt sich nämlich eindeutig um Säugetiere, also Milchabhängige). Die Weibchen stellen zwar noch ihren Uterus zur Verfügung, wenn aber geboren worden ist, dann sind sie weg. Weiß der Teufel, wohin. Ähnlich wie bei Aalen kennt man ihren Aufenthalts- und Begattungsort nicht. Es gab in den 70er Jahren einen Stamm in Alaska, bei dem begannen die Männchen Milch zu produzieren. Das ließ sich auch gut an und machte den Zoologen Hoffnung, aber dann tauchte dort der aus dem sibirischen Bereich bekannte Destructor rhinocii auf, wahrscheinlich eingewandert über die Behring-Sraße, und in kürzester Zeit war die gesamte Alaska-Population vernichtet.

Es bleibt wenig Hoffnung, die Mittel- und Südeuropäische Population der Rhinolongus communis zu retten, denn Versuche haben gezeigt, dass die Milchdrüsenproduktion der Männchen langsamer evuliert als die Abneigung der Weibchen, Junge zu säugen. Schätzt euch also glücklich, dieses pussierliche Tierchen noch gesehen zu haben.

Es gibt übrigens bei Nestle ein recht umfangreiches Forschungsprogramm zur Rettung der Rhinolongii. Ob es funktioniert, wird die Zukunft zeigen!

Kommentare

Bisher noch keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

 

Trackbacks & Pingsbacks